DS Geordie

Dampfboot „Geordie“ schifft in fremden Gewässern

Text und Bilder Stefano Butti

Nach dem Dampfboot-Treffen in Stansstad ist das DS „Geordie“ für einen Monat auf dem Vierwaldstättersee geblieben. Urchige Erlebnisse auf dem Zentralschweizer Gewässer haben wir damit erlebt; schön war’s!

Ein rund 10 Tonnen schweres Dampfboot zu transportieren ist eine aufwendige und teure Unternehmung. Insbesondere wenn dies lediglich für ein spezielles Wochenende sein soll. Für die „Geordie“ ist ein Tieflader notwendig und für den Auf- und Ablad ein grosser Kran. Der Kohlebunker muss leer, das Kesselwasser abgelassen, die Schlacke entsorgt und die Bilge gelenzt sein. Kapitän und Eigner Werni hat deshalb kurzerhand das Jubiläumstreffen der Dampfboote um einen Monat verlängert und seine diesjährigen Herbstferien auf dem Vierwaldstättersee verbracht. Eine sehr gute Entscheidung! So kamen wir IG-Geordie-Leute in den Genuss diesen schönen See einmal mit einem sehr speziellen Schiff zu befahren; und der Vierwaldstättersee erhielt für kurze Zeit eine weitere schöne Silhouette an seinen Gestaden welche sich wunderbar in die schroffe Berglandschaft einfügt. Man wähnte sich schon fast am Lake Windermere in England.

Das Schiff vom Lake Windermere
Dort wurde das Dampfboot „Goerdie“ 1901 vom Stapel gelassen. Der Windermere ist der grösste natürliche See Englands und liegt im Norden des Landes, in der Nähe der schottischen Grenze, dem Lake District. Der Lake Windermere und die Cumbrian Mountains sind als Feriendestination beliebt. Uns Dampfschiffliebhaber zieht es allerdings vor allem wegen des Windermere Steamboat Museum dorthin.

Die „Geordie“ wurde in Klinkerbauweise gebaut, die Planken aus Lärche, Kiel und Spanten aus Eiche. Das Schiff wurde als Fischerboot, kleiner Binnenschlepper sowie als Familienboot regelmässig genutzt. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde das Schiff an eine Schiffswerft verkauft. Während des Krieges sank es oder wurde absichtlich versenkt und einige Jahre später von Tauchern wieder entdeckt. Ein Mister Jllingword liess Kessel, Antrieb und Maschine heben und den Rumpf neu aufbauen. Bei der Maschine handelt es sich um eine 1898/99 in Southampton gebaute geschlossene, liegende Dampfmaschine mit 2 Zylindern im Verbundsystem mit 15 PS Leistung, die gleiche Bauart wurde um die Jahrhundertwende auch in dampfgetriebenen englischen Omnibussen verwendet. Im Jahre 1958 wurde Allin Rinhart und sein Freund Goodbody neue Eigner des Bootes und weitere Auf- und Einbauten wurden vorgenommen. 1960 wurde das Schiff auf den River Shannon nach Irland verlegt wo es 1983 vom jetzigen Eigner Werner Rutz und seinem Freund Jakob Richi entdeckt wurde. Diese überführten es kurzerhand in die Schweiz, führten erneut diverse Restaurationsarbeiten durch, bauten einen neuen Dampfkessel ein und am 1. Mai 1984 wurde es in den Zürichsee eingewassert. Soviel zur Geschichte dieses speziellen Bootes.

Von der Raumaufteilung her bietet dieses 10.50 Meter lange und 2.80 Meter breite Schiff im Vorschiffsbereich eine Schlafkabine inklusive Toilette und Waschbecken, im Achterschiff befindet sich die Salon-Kabine mit Holzherd und Küche, sowie eine grossen U-Sitzbank welche auch als zweite Schlafgelegenheit benutzt werden kann. Sehr viel Stauraum mit raffinierten Details runden das Platzangebot ab. Mittschiffs befindet sich mit dem grossen Wasserrohrkessel inklusive Kohlebunker und der Maschinenanlage das Herzstück des Dampfers. Der Kessel ist eine Eigenkonstruktion von Werner und besticht durch zahlreiche sinnvolle Details. So ist daran beispielsweise eine Dampfheizung für das ganze Boot angeschlossen. In der Küche finden wir neben dem Teewasser-Zubereiter, dem sogenannten Windermere-Kettle, sogar einen Steamer um eine schnelle Mahlzeit zuzubereiten.

Für schönen Stunden auf dem Wasser ist also alles vorhanden. So freuen wir uns hoffentlich noch lange an dem speziellen Dampfschiff „Geordie“ vom Lake Windermere, welches nach Irland gelangt und von dort den Weg auf den Zürichsee gefunden hat. Für einmal dampfte es vier Wochen lang auf dem Vierwaldstättersee. Allerdings erzählt überall wo es auftaucht sein Name auch von seiner Herkunft: In Newcastle upon Tyne wird die Bevölkerung wie auch der gesprochene Dialekt als „Geordies“ bezeichnet. Dieser Dialekt des Englischen ist näher an der Sprache der Angeln und hat deutlich weniger Einflüsse aus der französischen und lateinischen Sprache übernommen. Geordies hiessen also sozusagen auch die Erfinder und ersten Anwender der Dampftechnik, ein kleines Dampfschiff erzählt von Ihnen sogar hier bei uns am Alpenland.